Qualitäts-Kontrast

Er beruht auf der Wirkung von leuchtenden, reinen, gesättigten Farben zusammen mit gebrochenen, gedämpften, aufgehellten Tönen. Farbbrechung erfolgt durch Beimischen von Komplementärfarben, eine Aufhellung erzielt man mit Wasser oder Deckweiß, was zur Verminderung der Farbintensität führt.
Helle, intensive und warme Farben sind dominant und scheinen sich im Bild auszubreiten.

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  Praxisbeispiel:   Alles schwebt
        Explosion
        Komposition

 


Unter dem Begriff der Farbqualität verstehen wir den Reinheits- oder Sättigungsgrad der Farben. Als Qualitäts-Kontrast bezeichnen wir den Gegensatz von gesättigten, leuchtenden Farben zu stumpfen, getrübten Farben. Die prismatischen Farben, welche durch die Brechung des weißen Lichtes entstehen, sind Farben größter Sättigung oder Leuchtkraft. Unter den pigmentären Farben haben wir ebenfalls Farbtöne höchster Sättigung. [...]
Sobald die reinen Farben aufgehellt oder verdunkelt werden, verlieren sie an Leuchtkraft.
Farben können auf vier verschiedene Arten getrübt oder gebrochen werden. Sie reagieren sehr unterschiedlich auf die Trübungsmittel.
1. Eine reine Farbe kann man mit Weiß brechen. Der Farbcharakter wird dadurch etwas kälter. Karminrot bekommt durch die Ausmischung mit Weiß einen bläulichen Stich und wird in seinem Charakter stark verändert. Gelb wird durch Weiß ein wenig kälter, Blau bleibt durch Weiß-Beimischung weitgehend unverändert in seinem Grundcharakter. Violett ist sehr empfindlich auf Weiß. Wenn das gesättigte dunkle Violett etwas Drohendes an sich hat, so wirkt das mit Weiß aufgehellte Violett, das Lila, lieblich und innerlich fröhlich.
2. Eine Farbe kann mit Schwarz gebrochen werden. Gelb verliert dabei seinen strahlend hellen Ausdruckscharakter und bekommt etwas Krankes, heimtückisch Giftiges. Es büßt sofort seine Strahlkraft ein. Das Bild ,,Die Irrsinnige" von Gericault ist in trüben schwarz-gelben Tönen gemalt, es hat den erschütternden Ausdruck von geistiger Gestörtheit. Violett wird durch Schwarz in seiner ,,angeborenen Düsterkeit" gesteigert, es fällt sozusagen willenlos ins Lichtlose.
Nimmt man ein Karminrot, so erhält es durch Beimischung von Schwarz einen Klangcharakter nach dem Violetten hin.
Trübt man Zinnoberrot mit Schwarz, so erzielt man eine Art von verbrannter, rotbrauner Materie. Blau wird durch Schwarz gelähmt. Es duldet nur wenige Trübungsstufen bis Schwarz, und seine Leuchtkraft löscht schnell aus.

Grün ist viel modulationsfähiger als Violett und Blau. Es hat viele Möglichkeiten der Veränderung. Ganz allgemein nirnmt Schwarz den Farben ihren Lichtcharakter. Es entfremdet sie dem Licht und tötet sie mehr oder weniger rasch.
3. Die gesättigte Farbe kann man brechen durch Beimischung von Weiß und Schwarz, also mit Grau. Sobald man einer gesättigten Farbe Grau beimischt, erhält man gleich helle, hellere oder dunklere, in jedem Fall aber trübere Farbtöne als die entsprechende reine Farbe. Die Farben werden durch Graubeimischung mehr oder weniger neutralisiert und blind. Delacroix hasste Grau im Bild und vermied es, wenn irgend möglich, da die grauen Mischungstöne leicht simultanen Kontrastwirkungen erliegen.
4. Die Trübung reiner Farben kann durch Beimischung der entsprechenden komplementären Farben erzielt werden. Gibt man Gelb zu Violett. so erhält man Tonwerte, die zwischen dem hellen Gelb und dem dunklen Violett liegen. Grün und Rot sind in ihren Tonwerten nicht sehr verschieden, aber miteinander gemischt, sinken sie ins Grauschwarze. Die verschiedenen Trübungstöne aus zwei komplementären Farben ergeben, mit Weiß aufgehellt, seltene Farbmischungstöne. [...]
Die Wirkung des Kontrastes "stumpf-leuchtend" ist relativ. Eine Farbe kann neben einem stumpfen Ton leuchtend erscheinen und neben einem leuchtenderen Farbton stumpfen Charakter annehmen. [...]

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